Geschlecht, Brunst, Paarung, Trächtigkeit, Geburt & Aufzucht:
Somancher Neuling wird von einem im "Zoo-fach-geschäft" oder Vermehrer gekauften Brüderpaar in
früher Morgenstunde überrascht... plötzlich sind da "Mäuse" bzw. ein paar mehr Chinchillas im Käfig...
Weibchen als auch Böckchen verfügen über einen Harnzapfen, wobei es sich beim Böckchen tatsächlich
um ein Glied und beim Weibchen sich lediglich um einen Harnzapfen handelt - aber doch bei Unkenntnis
zu Verwirrung führen kann. Der kleine sichtbare, aber feine, Unterschied liegt im Abstand zwischen diesem
Glied bzw. Harnzapfen und dem After. Während ausserhalb der Brunftzeit, bei Chinchillas Hitze genannt,
das weibliche Geschlechtsorgan durch eine Membran verschlossen ist und somit nur ein "vermeindlicher Strich" zu erkennen gibt, ist der Abstand beim Böckchen zwischen Glied und After eindeutig und ohne
Hautfalten oder dergleichen einige Zentimeter entfernt gelegen. Eine anatomische Besonderheit bei den Chinchillaweibchen ist der geteilte Uterus (Gebärmutter) in Form von zwei Hörnern, welche getrennt von einander oder auch beide befruchtet werden können - dies ist äußerlich für den Menschen allerdings nicht erkennbar.
Durch den feinen Geruchssinn der Chinchillas, bleibt keinem Böckchen ein hitziges Weibchen verborgen,
häufig schawenzeln Böckchen um ihre Weibchen herum oder jagen sie gar. Laien mögen meinen, die Tiere streiten heftig, was mitunter nicht auszuschliessen ist.
Böckchen sind jederzeit paarungsbereit, wobei dies Chinchillaweibchen nur während der Hitze, welche
alle 28-35 Tage (fast wie beim Menschen) stattfindet, möglich ist. Die Membran öffnet sich und ein Brunftpfropfen wird ausgeschieden. Nach Deckakten ist, selten aber doch, ein weiterer Pfopfen, der Deckpfropfen (welcher allerdings nicht auf 100%ig erfolgte Befruchtung schließen läßt) im Käfig
vorzufinden (meist wird dieser, wie auch der Brunftpfropfen von den Chinchillas gefressen oder verschwindet auf nimmer wiedersehen in der Einstreu).
Wurde ein Weibchen erfolgreich gedeckt, wird dieses in den nächsten Wochen und Monaten an Gewicht zulegen. Einige Weibchen "schwangern" bereits einige Tage vor sich hin, anderen wiederum (die Mehrheit) ist nichts, bis auf die Gewichtsveränderung, anzumerken. Oft kommt es vor, dass Weibchen während der Hitze und nach dem Deckakt etwas an Gewicht verlieren, dies kann sich um bis zu 80 Gramm Gewichtsunterschied bewegen.
Die Tragezeit bei Chinchillas ist beachtlich lange und beträgt um die 111 Tage. Oft kommen die Jungen einige Tage früher zur Welt, manchmal auch einige Tage nach dem errechneten Termin, wobei die aufnahmefähige Phase der Chinchillaweibchen bei in etwa 5 Tage beträgt und man somit nie sicher sein kann, ob das Weibchen am ersten oder letzten Tag der Hitze befruchtet wurde.
Meist finden Chinchillageburten in den frühen Morgenstunden statt, fallweise auch tagsüber.
Die meisten Weibchen gebären ihre Jungen am Käfigboden, wobei sie schon einige Tage vor der Geburt
an der von ihnen gewählten Stelle die Einstreu beseitigen - dies kann ein Zeichen für den Halter sein, dass die Geburt bald bevor steht. Sobald das Weibchen das erste Junge geboren hat, befreit es dieses von der Fruchthülle und putzt es so lange bis dieses trocken ist. Dieser Vorgang wiederholt sich, bis das letzte Junge geboren ist. Selbstverständlich gehört auch bei einer Chinchillageburt die Nachgeburt dazu, welche von der frisch gebackenen Mutter verzehrt wird - dies ist völlig normal.
Ab abgeschlossenem Geburtsvorgang schiesst dem Weibchen die Milch ein, zuerst die Kolostralmilch und am nächsten Tag die richtige Milch um die Jungen zu säugen.
Soll es keinen Nachwuchs geben, muss das Böckchen schnellst möglich vom Weibchen getrennt werden, da dieses sofort wieder aufnahmefähig ist/sein kann! Anderenfalls kann das Böckchen/Vater der Jungen bei seinem Weibchen und den Jungen belassen werden. Chinchillaväter kümmern sich ebenfalls rührend um ihren Nachwuchs und entlasten die Mutter bei der Aufzucht indem sie die Jungen wärmen und beschäftigen.
Bereits nach wenigen Tagen beginnen die Jungen schon am Heu zu knabbern und nach wenigen Wochen
kann man sie in der Futterschüssel beim Probieren der Pellets ertappen.
Hin und wieder kann es allerdings vorkommen, dass ein Weibchen keine oder zu wenig Milch hat um ihren Nachwuchs aufzuziehen. Um dies überhaupt zu bemerken, sollten die Jungen regelmäßg gewogen werden und eine Gewichtskurve geschrieben werden. Die Jungen können in den ersten Tagen etwas an Gewicht verlieren, dies ist noch nicht besorgniserregend - ideal ist, wenn die Jungen am Ende ihrer ersten Lebenswoche mindestens ihr Geburtsgewicht wieder haben, wenn nicht mehr. Nehmen die Jungen ab und das Gewicht stagniert, sollte zugefüttert werden. Wir haben mit einer Katzenaufzuchtmilch von RC gute Erfahrungen gemacht, da wir hin und wieder auch Junge für andere Halter aufziehen.