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Anatomie & Physiologie
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Fortbewegung und Futteraufnahme

Hüpfend, springend, laufend - nahezu wie ein Kanguruh oder Kaninchen.
Die, als die Vorderbeine, wesentlich längeren, kräftig bemuskelten Hinterbeine ermöglichen den Chinchillas gewaltige Sprünge bis gut einen Meter Höhe.
Auf der Flucht, oder beim übermütigen Toben während des Auslaufes laufen Chinchillas, den Eindruck des Halters gewinnend, fast gegen die Wand/Türe/etc. und schlagen in letzter Sekunde mittels Sprung und Abstemmen der Hinterbeine einen Haken. So ist das Erbeuten des Räubers, bzw. das Fangen des Halters ein "Geduldspiel" (sofern die Tiere dem Halter gegenüber nicht zahm sind).
 
Die hingegen recht kurzen Vorderbeine sind mit "Finger" ausgestattet und ermöglichen den
Chinchillas ihr Futter, aber auch den Finger des Halters, zu greifen und zu halten. Das Futter wird
zunächst mit den Schneidezähnen aufgenommen, in die Pfoten genommen, gehalten und davon
gefressen. Lediglich kleine Futterstücke werden direkt mit den Zähnen aufgenommen, ohne in die
Pfoten genommen zu werden und verspeist.

Die Zehen und Finger sind mit Krallen, hornartig wie die Fingernägel des Menschen, ausgestattet.
Krallenschneiden ist bei Chinchillas nicht notwendig!
Wo die Futteraufnahme beginnt, was dazwischen und was danach ist

Wie das Futter aufgenommen wird, haben wir im vorigen Absatz nun geklärt, aber was geschieht weiter?

Das Mäulchen (wienerisch "Goscherl") ist mit 4 äußerst langen Schneidezähnen (je zwei oben und unten) ausgestattet welche sich bei einem gesunden Tier dunkelorange zeigen. In der Folge nach einem Abstand, reihen sich die massive Backenzähne, insgesamt 16 Stück an der Zahl, welche als Mahlwerkzeuge dienen und stets weiß sind.
Vom Goscherl (weil´s so nett klingt) wird das zermahlene Futter durch die Speiseröhre in den Magen transportiert, vorverdaut und in den durchaus sehr langen Darm von 250 cm gefördert. Aufgrund der enormen Darmlänge, sprich des langen Passierweges, reagieren Chinchillas auf jähe Futterumstellungen meist negativ. Letztendlich wird der Kot ausgeschieden - Chinchillas fressen, wie Kaninchen, ihren Blinddarmkot, das ist völlig normal.
Adäquates Futter und Zubehör gibt es hier: www.chinchillashop.at
Das Fell

Aufgrund des doch im Tierreich einzigartigen Fells wurden Chinchillas gejagt, fast ausgerottet und später
nachgezüchtet um sich vor Kälte zu schützen. Dies ist heutzutage durch die großen Errungenschaften der
Wissenschaft und Industrie der Bekleidungshersteller nicht mehr nötig.

Auf ein Haarbüschel kommen bis zu 60 einzelne, feine Härchen, welche einer einzigen Wurzel (Folikel)
entstammen, je dichter der Pelz, desto mehr Schutz vor Kälte! Gegen Nässe schützt der so weiche, flauschige Pelz leider nicht, deshalb sollte ein Chinchilla nicht nass werden, bzw. nicht mutwillig gebadet werden! Passiert allerdings ein Unglück und ein Chinchilla wird durchnässt, muss dieses sofort trocken geföhnt werden um so einer Unterkühlung und Verkühlung (da das Tier daran sterben kann) vorzubeugen.
Die Felllänge hängt von der Mutation ab - im Normalfall beträgt die Felllänge ~3cm, bei Royal Persian Angora ~6cm.

Sehr praktisch hat sich die Natur die Feindabwehr ausgedacht - Chinchillas können bei Gefahr in
Verzug ihr Fell abstossen, somit hat der Verfolger einen Buschen Fell im Maul und das Chinchilla
ist futsch und weg. Kahle Stellen im Fell bedürfen im Wachstum Geduld, da ein vollständiges
Nachwachsen gut 12 Wochen dauern kann.
Pflege: Sandbad mit Attapulgussand
Ohren, Augen, Nase & Tasthaare

Trichterartig stehen die in alle Richtungen beweglichen Ohren empor um auch nur das
leiseste Geräusch wahrzunehmen und gegebenenfalls die Artgenossen zu warnen!
Chinchillas hören außerordenlich gut!
Praktisch sind die Ohren auch zum Wärmeaustausch, da Chinchillas nicht schwitzen!

Die Augen der Chinchillas sind deren dämmerungs und nachtaktiven Lebensweise
angepasst, meiner Ansicht nach sehen Chinchillas nicht sonderlich gut, deshalb verfügen
sie über einen feinen Geruchssinn, sehr lange Tasthaare und äußerst gutes Gehör.

Der Geruchsinn der Chinchillas ist ebenfalls sehr penibel ausgeprägt, womit sie sofort er-
kennen ob es sich beim Artgenossen um ein fremdes oder ihnen bekanntes Chinchilla handelt.
Manche Chinchillas mögen Seifengeruch an den Händen ihrer Halter absolut nicht, ebenso wenig
den Geruch von Zigaretten.

Ganz wichtig sind für Chinchillas deren Tasthaare mit welchen sie zur Beurteilung ihnen nicht bekannter
Gegenstände einsetzen.
Geschlecht, Brunst, Paarung, Trächtigkeit, Geburt & Aufzucht:

Somancher Neuling wird von einem im "Zoo-fach-geschäft" oder Vermehrer gekauften Brüderpaar in
früher Morgenstunde überrascht... plötzlich sind da "Mäuse" bzw. ein paar mehr Chinchillas im Käfig...
Weibchen als auch Böckchen verfügen über einen Harnzapfen, wobei es sich beim Böckchen tatsächlich
um ein Glied und beim Weibchen sich lediglich um einen Harnzapfen handelt - aber doch bei Unkenntnis
zu Verwirrung führen kann. Der kleine sichtbare, aber feine, Unterschied liegt im Abstand zwischen diesem
Glied bzw. Harnzapfen und dem After. Während ausserhalb der Brunftzeit, bei Chinchillas Hitze genannt,
das weibliche Geschlechtsorgan durch eine Membran verschlossen ist und somit nur ein "vermeindlicher Strich" zu erkennen gibt, ist der Abstand beim Böckchen zwischen Glied und After eindeutig und ohne
Hautfalten oder dergleichen einige Zentimeter entfernt gelegen. Eine anatomische Besonderheit bei den Chinchillaweibchen ist der geteilte Uterus (Gebärmutter) in Form von zwei Hörnern, welche getrennt von einander oder auch beide befruchtet werden können - dies ist äußerlich für den Menschen allerdings nicht erkennbar.

Durch den feinen Geruchssinn der Chinchillas, bleibt keinem Böckchen ein hitziges Weibchen verborgen,
häufig schawenzeln Böckchen um ihre Weibchen herum oder jagen sie gar. Laien mögen meinen, die Tiere streiten heftig, was mitunter nicht auszuschliessen ist.

Böckchen sind jederzeit paarungsbereit, wobei dies Chinchillaweibchen nur während der Hitze, welche
alle 28-35 Tage (fast wie beim Menschen) stattfindet, möglich ist. Die Membran öffnet sich und ein Brunftpfropfen wird ausgeschieden. Nach Deckakten ist, selten aber doch, ein weiterer Pfopfen, der Deckpfropfen (welcher allerdings nicht auf 100%ig erfolgte Befruchtung schließen läßt) im Käfig
vorzufinden (meist wird dieser, wie auch der Brunftpfropfen von den Chinchillas gefressen oder verschwindet auf nimmer wiedersehen in der Einstreu).

Wurde ein Weibchen erfolgreich gedeckt, wird dieses in den nächsten Wochen und Monaten an Gewicht zulegen. Einige Weibchen "schwangern" bereits einige Tage vor sich hin, anderen wiederum (die Mehrheit) ist nichts, bis auf die Gewichtsveränderung, anzumerken. Oft kommt es vor, dass Weibchen während der Hitze und nach dem Deckakt etwas an Gewicht verlieren, dies kann sich um bis zu 80 Gramm Gewichtsunterschied bewegen.

Die Tragezeit bei Chinchillas ist beachtlich lange und beträgt um die 111 Tage. Oft kommen die Jungen einige Tage früher zur Welt, manchmal auch einige Tage nach dem errechneten Termin, wobei die aufnahmefähige Phase der Chinchillaweibchen bei in etwa 5 Tage beträgt und man somit nie sicher sein kann, ob das Weibchen am ersten oder letzten Tag der Hitze befruchtet wurde.

Meist finden Chinchillageburten in den frühen Morgenstunden statt, fallweise auch tagsüber.
Die meisten Weibchen gebären ihre Jungen am Käfigboden, wobei sie schon einige Tage vor der Geburt
an der von ihnen gewählten Stelle die Einstreu beseitigen - dies kann ein Zeichen für den Halter sein, dass die Geburt bald bevor steht. Sobald das Weibchen das erste Junge geboren hat, befreit es dieses von der Fruchthülle und putzt es so lange bis dieses trocken ist. Dieser Vorgang wiederholt sich, bis das letzte Junge geboren ist. Selbstverständlich gehört auch bei einer Chinchillageburt die Nachgeburt dazu, welche von der frisch gebackenen Mutter verzehrt wird - dies ist völlig normal.

Ab abgeschlossenem Geburtsvorgang schiesst dem Weibchen die Milch ein, zuerst die Kolostralmilch und am nächsten Tag die richtige Milch um die Jungen zu säugen.

Soll es keinen Nachwuchs geben, muss das Böckchen schnellst möglich vom Weibchen getrennt werden, da dieses sofort wieder aufnahmefähig ist/sein kann! Anderenfalls kann das Böckchen/Vater der Jungen bei seinem Weibchen und den Jungen belassen werden. Chinchillaväter kümmern sich ebenfalls rührend um ihren Nachwuchs und entlasten die Mutter bei der Aufzucht indem sie die Jungen wärmen und beschäftigen.

Bereits nach wenigen Tagen beginnen die Jungen schon am Heu zu knabbern und nach wenigen Wochen
kann man sie in der Futterschüssel beim Probieren der Pellets ertappen.

Hin und wieder kann es allerdings vorkommen, dass ein Weibchen keine oder zu wenig Milch hat um ihren Nachwuchs aufzuziehen. Um dies überhaupt zu bemerken, sollten die Jungen regelmäßg gewogen werden und eine Gewichtskurve geschrieben werden. Die Jungen können in den ersten Tagen etwas an Gewicht verlieren, dies ist noch nicht besorgniserregend - ideal ist, wenn die Jungen am Ende ihrer ersten Lebenswoche mindestens ihr Geburtsgewicht wieder haben, wenn nicht mehr. Nehmen die Jungen ab und das Gewicht stagniert, sollte zugefüttert werden. Wir haben mit einer Katzenaufzuchtmilch von RC gute Erfahrungen gemacht, da wir hin und wieder auch Junge für andere Halter aufziehen.
Böckchen
Weibchen